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Preisträger des 2. Coburger Rückertpreises wird Essmâ’il Cho’i

Essmâ’il Cho’i ist einer der großen alten Herren der modernen iranischen Poesie und einer der
letzten lebenden Repräsentanten der zweiten Blüte der persischen Lyrik. Vor dem Hintergrund profunden
Wissens um die klassische persische Dichtung, die auch Rückert so faszinierte und die er
so meisterhaft übertrug, erschafft Cho’i neue Bilderwelten für die ernste äußere und
innere Welt seiner – unserer – Gegenwart. Dabei ist er so vielseitig wie kaum ein anderer
Dichter: Politische und melancholische, Liebes- und Naturpoesie sind bei ihm zu finden,
oftmals bildersprachlich ineinander verwoben, doch niemals in sich gefangen.
Obwohl Cho’i schon lange im Exil lebt, ist seine Heimat Iran in seinen Gedichten
immer präsent, sei es in der Thematik, sei es im impliziten Bezug auf die dichterischen
Traditionen. Gleichwohl weist sein Werk über diese enge Bindung hinaus: In seinem
gesamten Werk klingen Reflexionen über die condition humaine mit, die Leser weit über den
persischen Kulturkreis hinaus zu faszinieren vermögen. Cho’i eröffnet mit seiner
imaginativen Radikalität neue Räume des Bewusstseins, die er reich, aber immer mit
glasklarer sprachlicher Präzision ausgestaltet. Cho’is Lyrik ist, in einem Wort, intelligent.
Essmâ’il Cho’i wurde im Jahre 1938 in Maschhad geboren. Er studierte Philosophie in
Teheran und London. Nach Abschluss seines Studiums war er eine Zeitlang in Teheran
als Hochschullehrer tätig. Da er sich als eines der Gründungsmitglieder des Schiftstellerverbandes
von Iran aktiv für die Gedanken- und Meinungsfreiheit einsetzte, wurde er als
dem Schah-Regime mißliebig aus dem Staatsdienst entlassen. Nach der islamischen
Revolution sah er sich einem noch repressiveren System gegenüber. Bald musste er in den
Untergrund gehen, wo er sich zwei Jahre lang verborgen hielt, bevor er 1983 nach
England floh. Er lebt bis heute in London. Dort hat er sich immer wieder als eine der
mutigsten Stimmen gegen die islamische Tyrannis geäußert und z. B. seine Solidarität mit
Salman Rushdie und Taslima Nassrin bekundet.


Zum 2. Coburger Rückert-Preis 2010:
http://www.stadt.coburg.de/lebencoburg.asp?uid=514&mid=189&iid=4173

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Essmâ’il Cho’is Werke sind in deutscher Übersetzung in folgenden Titeln zu finden:

Der Wind wird uns entführen. Moderne persische Dichtung. Ausgewählt, übersetzt und eingeleitet
von Kurt Scharf. Mit einem Nachwort von SAID, München (Verlag C. H. Beck) 2005. /

Noch immer denke ich an jenen Raben. Lyrik aus Iran, Stuttgart (Radius-Verlag) 1981. /

Gesteht’s! die Dichter des Orients sind größer. Persischsprachige Literatur, Berlin (Das Arabische
Buch) 1991 /
Name blau Farbe der Augen keine. Literatur aus dem fremden Abendland, Berlin
(Haus der Kulturen der Welt und Das Arabische Buch) 1992 /
Die Außenseite des Elements N° 9, Non Profit Art Movement, Berlin und New York 2000. /liga-report, Nr. 30 – Oktober
2009 Sonderausgabe zu den Ereignissen nach den Wahlen (herausgegeben von der Liga zur
Verteidigung der Menschenrechte in Iran), Berlin 2009.

Der Wind wird uns entführen - Moderne persische Dichtung - Kurt Scharf und SAID

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