AFN Tehran
Iran-Thriller von Peter M. Roese
Erschienen 2007 im Rhombos Verlag
ISBN 978-3-938807-51-4

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F.M. Esfandiary
Der letzte Ausweis
Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, Band 2
Aus dem Englischen von Ilija Trojanow
Gebunden mit Schutzumschlag
Ca. 240 Seiten
€ 19,90 / SFR 34,90 *
ISBN 978-3-940111-55-5
Teheran, Mitte der 1960er Jahre. So hat sich Dariusch Aryana die ersehnte Rückkehr in seine Geburtsstadt nicht vorgestellt: Nach vielen Jahren im Westen erweist sich die gelobte Heimat für ihn als Fremde. Er findet keinen Zugang mehr zu seiner alten Kultur; Verwirrung und Einsamkeit werden seine Begleiter. Er beschließt, schnellstens wieder in den Westen auszureisen, doch dazu braucht er einen neuen Ausweis. Die Beschaffung dieses Dokuments wird zu einem wahnwitzigen Irrlauf durch das Behördenlabyrinth. Und dann gerät er auch noch in den blutigen Aufstand gegen das Terrorregime ...

Dariusch Aryana, der den Großteil seines Lebens im westlichen Ausland verbracht hat, kehrt Mitte der 60er Jahre in seine Geburtsstadt Teheran zurück. Er versucht, wieder Teil der iranischen Gesellschaft zu werden – vergeblich. Er bleibt ein Fremder in der Heimat, die zudem von einem totalitären System beherrscht wird, das den Armen und Wehrhaften das Genick, den Mitläufern das Rückgrat bricht. Nach wenigen Wochen möchte Aryana wieder ausreisen – doch dazu ist ein neuer Ausweis notwendig. Die Beschaffung dieses Dokuments führt ihn in ein kafkaeskes Labyrinth, das sein Leben völlig vereinnahmt: Von Amt zu Amt, von Behörde zu Behörde schickt man ihn. Die endlose Jagd wird zum Sinnbild der Identitätssuche. „Der letzte Ausweis“ handelt von der Fremde in und um uns, von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Nähe, von der verzweifelten Suche nach einer unverrückbaren Identität – und vom Scheitern dieser Suche. Esfandiary schildert lakonisch und in schnörkelloser Sprache den Wahnsinn der Bürokratie und die nahezu unendliche Duldsamkeit der Menschen, die in die Mühlen der Behörden geraten. Wenig hat sich geändert seit dem Erscheinen dieses Romans vor 40 Jahren.
Fereidoun M. Esfandiary (später nannte er sich FM-2030) wurde 1930 in Brüssel als Sohn eines iranischen Diplomaten geboren und wuchs u.a. in England, Iran, Afghanistan und Indien auf. Er war Olympiateilnehmer, Mitglied der UN-Schlichtungskommission für Palästina, Schriftsteller, Dozent, Philosoph und Futurologe. Esfandiary glaubte an eine globale Gesellschaft, der es im 21. Jahrhundert gelingen würde, politische, rassische und nationale Unterschiede zu überwinden. Er starb im Jahr 2000.
Iranian Photography Now
Es ist an der Zeit, die Fotokünstler Irans zu Wort kommen zu lassen!

Eine fotografische Sensation: Der erste Überblick zur zeitgenössischen Fotografie im Iran zeigt uns »unverschleiert« die künstlerische Dynamik dieses Landes jenseits von Zensur und Unterdrückung. Die Arbeiten iranischer Fotokünstler sind voller Widerstandsgeist und höchst innovativ. Dabei erfolgt die künstlerische Reaktion auf politischen Terror stets provokant und künstlerisch anspruchsvoll. Eine ganze Generation von Künstlern sucht Befreiung mit der Waffe der Imagination.
Der Band präsentiert ein überraschend breites Spektrum künstlerischer Ausdrucksformen, das den westlichen Mainstream in den Schatten stellt. Zu den bekanntesten Fotografen zählen Abbas, Reza Aramesh, Shirin Neshat, Parastou Forouhar, Abbas Kiarostami, Kaveh Golestan, Amirali Ghasemi und Shadi Ghadirian. Jeder der 36 vertretenen Fotografinnen und Fotografen, darunter auch Vertreter der Diaspora, liefert ein Statement zu seinem Leben und seiner künstlerischen Arbeit.
Mit Unterstützung des Prince Claus Fund Library, Niederlande
Der Wind wird uns entführen
Moderne persische Dichtung. Ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Kurt Scharf. Mit einem Nachwort von SAID.

Diese Anthologie enthält rund hundert der schönsten Gedichte moderner persischer Lyrik, verfaßt von 22 der bedeutendsten iranischen Dichter des 20. Jahrhunderts. Damit liegt erstmals ein repräsentativer Überblick über eine Dichtung vor, die in Deutschland bisher zu Unrecht nur in Teilen bekannt ist. Die persische Lyrik gehört seit Jahrhunderten zur Weltliteratur und war in Iran bis weit ins 20. Jahrhundert die wichtigste literarische Gattung. Aus der großen poetischen Tradition, der Begegnung mit westlicher Lyrik sowie der politischen und religiösen Zeitgeschichte Irans ist eine moderne persische Dichtung hervorgegangen, die uns unmittelbar anspricht, auch und gerade da, wo ihre Bilder zunächst fremd und fern anmuten. Von Nimâ Yuschidsch, dem „Vater der neuen Lyrik“, über den Mystiker und Maler Ssohrâb Ssepehri und Forugh Farrochsâd, deren Werk vielen als Höhepunkt der persischen Dichtung überhaupt gilt, bis hin zu zwei jüngeren Dichtern aus der Zeit nach der Islamischen Revolution versammelt diese Anthologie rund hundert der schönsten Gedichte moderner persischer Lyrik. Die glänzende, einfühlsame Übersetzung von Kurt Scharf vermittelt deutschen Lesern einen überzeugenden Eindruck vom Klang des Originals und läßt sie unmittelbar teilhaben an Sprachkunst und Bildern, Träumen und Hoffnungen einer gar nicht so fernen poetischen Welt. Eine ausführliche Einleitung macht mit der poetischen Tradition Irans und den einzelnen Dichtern bekannt. Der iranische Schriftsteller SAID erläutert in einem Nachwort die politische und gesellschaftliche Bedeutung der modernen persischen Lyrik. Die Unterstützung aus dem Farsi wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt durch die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.
In die besseren Kreise
von Fahimeh Farsaie
Gina Nahais Roman "Regen am Kaspischen Meer" versucht eine unvollkommene Tochter das Leben zu verschlucken

Das ist die Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der iranische Präsident, Mahmmud Ahmadi-Nedjad, mit seinen unendlichen Hasstiraden gegen Juden das Interesse an der jüdisch-iranischen Literatur weltweit geweckt hat. Ohne seine Verbalattacken gegen das Judentum und das "Land der Juden" wären diese Werke wahrscheinlich in der Flut des internationalen Literaturbetriebs versunken. Womöglich wäre etwa der Roman der Schriftstellerin Dalia Sofer Die September von Schiras (Freitag 41/2007) nie veröffentlicht worden. Oder die Erfahrungen der Autorin Roya Hakakian als Jugendliche im Iran der Revolutionszeit, das in diesem Frühjahr unter dem Titel Bitterer Frühling erscheint. Und auch das Schicksal der Hauptfigur in dem wunderbar konstruierten und in melancholischem Ton erzählten Roman Regen am kaspischen Meer der Schriftstellerin Gina Nahai hätte wohl kaum Gehör gefunden.
Nahai nennt ihre Protagonistin Jass. Ihr Name hat, je nach Betonung des Buchstabens A, zwei Bedeutungen: die gängige ist Jasmin, wie die Blume, die zweite lautet "Hoffnungslosigkeit". Jass verkörpert letztere Bedeutung, weil sie im Roman immer am Rand eines Abgrunds steht. Sie findet es besonders "gemein", dass die gleichen vier Buchstaben das scheußliche Gesicht der Verzweiflung und zugleich die Schönheit von Jasmin enthalten. Schön ist aber Jass nicht. Sie sieht nicht so aus, wie man sich eine Jüdin vielleicht vorstellt: Rote Haare und ein blasses Gesicht mit Sommersprossen. Nach iranischen Schönheitsmaßstäben ist sie sogar hässlich. Wegen ihres Aussehens wird sie aber nicht gebrandmarkt, auch nicht wegen ihrer Religion, sondern weil sie Tochter einer Jüdin namens Bahar ist, die es wagt, das jüdische Armenviertel in Teheran zu verlassen und sich durch Heirat mit einem reichen und hartherzigen Juden namens Omid an die besseren Kreise anzuschließen.
Thematisch schildert der Roman Regen am kaspischen Meer die Klassenhierarchie unter den iranischen Juden und lässt bewusst die politischen Verhältnisse unter dem herrschenden Regime außer Acht. Hier geht es nicht um irgendeinen Clash der Kulturen oder um Glaubensbekenntnisse, sondern um die Klassenauseinandersetzungen zwischen jüdischen Mittellosen und einer etablierten und integrierten Schicht von Juden, die sich als Iraner bezeichnen und die in diesem Land schon wichtige Positionen in der Wirtschaft erlangt haben. Jass verkörpert die zerrissene Wesensart einer Außenseiterin, die von Niemandem geliebt, beachtet und von allen aber gedemütigt und erniedrigt wurde, "als ob sie eine Muslimin wäre".
In Bahars Familie gibt es sogar einen engen Verwandten, der zum Islam übergetreten ist. Er ist aber stark und identifiziert sich mit seinem neuen Glauben. Selbst wenn er an einem jüdischen Trauerfest teilnimmt, vergisst er seinen Umhang, Aba, und seinen Gebetskranz nicht. Ihm wird nachgesagt, dass er sich durch den Religionswechsel von der vernichtenden Last der Armut befreien wollte.
Vor der Armut zu fliehen ist ebenfalls das Motiv Bahars, ihre elende Vergangenheit hinter sich zu bringen. Wegen ihres einst niedrigen gesellschaftlichen Status wird sie aber nie von der Familie ihres Mannes als "Mensch" akzeptiert. Nach der Heirat wird sie ebenfalls von ihren alten Bekannten und Freunden verstoßen, weil sie sich von ihr verraten fühlen. Neid spielt dabei auch keine geringfügige Rolle. Schließlich gehöre sie nun zu den "besseren Menschen."
Die Hauptleidende in diesem Wirrwarr in dieser jüdischen Gemeinde ist Jass. Sie ist schutzlos der ungeheuren Last der Demütigung und dem unheimlichen Schmerz der Entwürdigung ausgesetzt. Was ihr zu schaffen macht, ist Anmaßung jeglicher Art und allerorts, sogar von ihren eigenen Eltern. Zudem wird sie immer wieder von unwiderstehlicher Furcht heimgesucht, das Glück der Mutter geraubt zu haben, die nie von ihrem Ehemann geliebt wurde. Omid verliebt sich kurz nach der Verlobung mit Bahar in eine Muslimin und lebt praktisch mit ihr. Jass fühlt sich von Beiden nicht gemocht. Gegen diese tiefe und ungerechte Lieblosigkeit und Missachtung entwickelt Jass zwar innerlich eine Art Widerstand, findet aber keinen Mut, ihre Gefühle zu zeigen. Langsam zieht sie sich von Allem und Allen zurück und lebt nur wie ein Geist in der Dunkelheit der Nacht.
Unsichtbar ist auch Jass am Anfang des Romans. Sie ist zuerst nur eine Stimme, die man nicht verorten kann. Im ersten Kapitel erzählt sie die märchenhafte Begegnung ihrer Eltern aus der Vogelperspektive. Irgendwann taucht das Wort "ich" oder "mich" mitten in der Geschichte auf. Die Ich-Erzählerin betrachtet sich selbst aber aus dem Blickwinkel der Anderen: Sie sei nur ein Mädchen; ein nutzloses Mädchen, das den Namen der vermögenden und einflussreichen Familie "Arbab" nicht weiter fortzusetzen vermag; ein Mädchen, das Hass und Ablehnung mit der Muttermilch eingesogen hat. Dass sie ein wertloses Wesen sei, verinnerlicht Jass sehr früh als kleines Kind und fühlt sich als Unglückbringende der Familie und den "Anderen" gegenüber schuldig. Diese "Anderen" sind immer da, immer präsent, gehören der iranisch-jüdischen Gemeinde an, in der sich Bahar bewegt. Man lebe nur, um von ihnen beachtet und akzeptiert zu werden.
Die Geschichten dieser Anderen erzählt Nahai, parallel zur Geschichte Jass´ weitaus akribischer und präziser. Nicht, weil sie dadurch die unterschiedlichen Aspekte des iranisch- jüdischen Lebens am Ende der siebziger Jahre in Teheran darstellen will, sondern auch weil sie untrennbar mit dem Schicksal ihrer Hauptfigur verbunden sind. Jass illustriert anschaulich, wie sich das Judendasein von innen anfühlt. Ihre detaillierte Schilderung spiegelt zudem ihr außergewöhnliches Beobachtungsvermögen wider, das allmählich eine dramaturgische Dimension annimmt. Ausdauernd, ja gierig dokumentiert sie alles bildhaft, weil sie langsam spürt, dass ihr die Ereignisse stückweise "gestohlen bleiben" und dass der Alltag abrupt für einen Moment "ausgelöscht" wird; bis festgestellt wird, dass sie allmählich taub wird, dauert es eine Weile und bis Bahar akzeptiert, dass ihre "unvollkommene" Tochter ein Hörgerät trägt, hält eine Ewigkeit an. In dieser Zeitspanne ruft Jass alle ihre Sinne auf, versucht das Leben in allen Einzelheiten zu "verschlucken", damit sie sich später daran erinnern kann, wenn sie nicht mehr in der Lage ist, alles mit ihrem Gehör wahrzunehmen. Da fängt ihr richtiges Dilemma an.
Regen am kaspischen Meer ist das Selbstporträt einer jüdischen Familie, deren Kaltblütigkeit und Amoral die Seele eines Kindes so gründlich verwüstet, dass es sich schließlich vernichtet, um der Mutter ein glückliches Leben zu ermöglichen. Die 47-jährige in Teheran geborene Schriftstellerin, Gina Nahai, die seit 1977 in den USA lebt, schreibt so einfühlsam, gekonnt und fantastisch, dass ihr Roman auch ohne die "Beihilfe" der Hasstiraden Ahmadi-Nedjads seinen gebührenden Platz im Literaturbetrieb finden wird.
Gina Nahai Regen am kaspischen Meer. Übersetzt von Brigitte Jakobeit. Marebuchverlag, Hamburg 2008, 317 S., 19,90 EUR
Aus: http://www.freitag.de/2008/11/08112301.php
Babak Philip Saviz
"Sag Persien, ich werde wieder kommen"
Der in Flensburg lebende persische Autor Babak Philip Saviz hat einen wortgewaltigen mit Poesie und Lyrik behafteten Roman über das alte zarathustrinische Persien geschrieben.
"Sag Persien, ich werde wieder kommen" ist ein historischer Roman voller Eindringlichkeit und erzählt die Geschichte des Kriegers Kurosh (Cyrus), der das Persische Reich gegründet hat.
567 v. Ch. geboren, wurde Kurosh von seinem Großvater, dem verschwenderischen und selbstgefälligem Mederkönig Astyages, dem Tode geweiht, da der König aufgrund eines Albtraums sein Reich und seine Macht in Gefahr sah. Seine Priester und Sterndeuter, die ebenso ihre Macht behalten wollten, rieten dem König, den Jungen ermorden zu lassen.
Astyages beauftragte seinen obersten General Harpag damit, den „dunklen Schatten“ in die Wüste zu bringen und dort zu töten.
Doch Harpag war kein schlechter Mensch, er spürte, dass es einen Neuanfang sowohl im Glauben, im Politischem wie auch Sozialem geben musste, und so verschonte er das Kind und gab es in die Obhut von zarathustrinischen Gelehrten. Mit diesem Glauben aufgewachsen, von den geheimen, weisen Worten eines Berglöwen begleitet und erleuchtet, kehrte Kurosh in seine eigentliche Heimatstadt Ekmatana zurück und erlernte dort die Kriegskunst der Meder. Nur so konnte er sich für die alles entscheidende Schlacht rüsten – eine Schlacht, die das Volk der Meder und die umliegenden Stämme vom Joch, den Steuern und der Sklaverei des König Astyages befreien konnte.
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Wortgewaltig erzählt Saviz die Geschichte eines Mannes, der sich geschworen hat, das Gute und Richtige in seinem Land zu verteidigen.
In der Tat basiert der Inhalt des Romans zwar auf eine historische Begebenheit, und die eigenwillige und gut recherchierte Epoche der Geschichte verleiht dem Leser eine natürliche Glaubwürdigkeit.
Der Autor hat den Roman mit vielen Interpretationen und mit zahlreichen tatsächlichen Geschehnissen geschickt verbunden, so dass der Roman eine durchlaufende und spannende Geschichte aufweist.
Die Poesie, die Lyrik und die Gedankengänge der Hauptfiguren verfeinern den Roman und unweigerlich bringt es dem Leser zum Nachdenken.
"Ich schrieb diesen Roman für mein Volk, für meine Identität und für meine Seele....", so der Autor.
Erscheinungsdatum : 04. April 2008 – über uns mailto:info@dialog-kultur.de reservierbar und bestellbar.
Der Autor:
Babak Philip Saviz ist der Sohn eines persischen Ex- Königsoffizieres und einer Deutschen und wurde im Iran geboren. 1979 floh die Familie nach der islamischen Revolution vor dem nicht „Vorstellbaren“ und erreichte später Deutschland. In Deutschland baute er sich mit seiner Familie eine neue Existenz auf. Saviz absolvierte die Fachoberschulreife und erlernte einen kaufmännischen Beruf.
Er spricht fünf Sprachen und hat eine kleine Tochter, die zweisprachig aufwächst.
Es ist ihm wichtig, dass seine Leser seine Werke verstehen und dadurch vielleicht ihre
Sichtweise zu der einen oder anderen Thematik verändern oder überdenken.
Insbesondere über sein Heimatland Persien.
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Leseprobe:
Donnergrollen.
Am Abgrund des Fegefeuers und der ewigen Verdammnis.
Er träumte von einem Baum, der immer größer und mächtiger wurde.
Tausende von Armen aus Holz und Zweigen umschlangen ihn wie eine Umarmung des Todes, aus dem es kein Entkommen und Entrinnen gab.
Der finstere Schatten des Baumes fiel über sein ganzes Land, sein ganzes Reich, und ergriff es wie ein tödliches Omen.
Schwebend sah er sich dahin gleiten, gleich einer schwerenlosen Himmelswolke.
Der düstere Recke erhob seine Äste, wie sich windende Schlangen.
Einer jener Äste formte sich zu einer geballten Hand, welche in sein blutrotes Herz griff, dieses herausriss und trophäenartig emporhob. Mit jedem schwindenden Herzschlag floss das warme Blut von oben herunter, bildete sich zu dunklen, salzigen Tropfen, die er spürte an seinem Gesicht, an den Wangen, in seinem Munde …
… der salzige Schweiß fand seinen unbeirrbaren Weg an seinem Leib und Haupte hinab - unangenehm kalt.
Begraben sind die Träume im Angesicht des Morgengrauens und der aufgehende Glut in einer vergessenen Schatulle. Doch diese Träume stachen immerwährend in seine ruhelosen Gedanken.
Sein Leib erschauderte vor Kälte und Furcht, so dass er weder Durst noch Hunger verspürte an diesem Morgen.
„Eilt, Ihr hörigen Niedriggeborenen, bringt mir die Orakeldeuter und die Sternenleser“, wies er hastend an. Alsdann die Deuter und Leser im Empfangssaal den König auf dem Throne erblickten, hielten sie still und hörten zu, als dieser vom Leid seines Traumes zu erzählen begann, hiernach sammelten sich Leser und Deuter, um sich eingehend zu beraten.
Wie eine Ewigkeit erschien die kaum messbare Zeit des Wartens, ehe der Sprecher mit dem Namen Pooyaa sich dem König zuwandte: „Mein edler König Astyages. Hochwürdiger Herr aller Meder und Beschützer der niederen Länder. Möge Euch die Glut am Himmel Euer Herz und Eure Seele ewig sanft erwärmen. Aus den Träumen unseres Königs deuten wir, so wie die Berufung uns in die Wiege gelegt ward, ein böses Schicksal und eine Warnung. Wie unerhofft kommt ein Omen. Wie unerwünscht ist dieses. Es ist ein Zeichen von höchster Bedeutsamkeit.“
Astyages befremdete dies, und er raunte: „Der Tag ist schön, denn die Glut am Himmel brennt nicht zu sehr. Die Winde schwirren angenehm mild. Ich bin fröhlichen Mutes und fürchte nicht das Böse. Nun sprecht eilends und deutet mir meinen Traum. Nennt mir dieses Zeichen!“
So legte nun Pooyaa die mit bunten Zeichen bemalte Rinderhaut aus und antwortete: „Eure schwangere Tochter wird einen Sohn gebären. Sein unersättlicher Wille, sein ungebrochenes Machstreben, ist jener dunkle Schatten. Es ist ein Zeichen der Götter aus der Unterwelt. Die Sterne unserer Ahnen rufen. Er, der noch nicht Geborene, wird das ganze Land diesseits und jenseits unterwerfen und demütigen. Der wachsende Baum ist seine unermessliche Gier, die ihn beherrscht.“
Der König runzelte seine Stirn und fragte: „So wird auch mein Land unter diesem Schatten fallen?“
Der Traumdeuter nickte und antwortete:
„Ja, mein König, auch das allmächtige, erhabene Land der Meder.“
Astyages stand entschlossen auf und raunte seinen Palastwachen zu: „Man sende mir Harpag!“
Verlag : Tordenfjord Verlag
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsjahr: April 2008
Gestaltung: Taschenbuch, 284 Seiten, 2 s/w Abbildungen
Format: 13x19cm
ISBN: 978-3-939948-06-3
Preis: 12,95 €
Fahimeh Farsaie
Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden
Was ist "deutsche Lebensart"?
"Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden" ist ein satirischer Einbürgerungsroman
Aktuelle politische Debatten greift die 300. Neuerscheinung des Ulrike Helmer Verlags auf: "Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden" von Fahimeh Farsaie. Im Mittelpunkt des satirischen Romans steht die in Köln wohnende und aus dem Iran stammende Familie Azad, bestehend aus Mutter Sima, Vater Abbas, Sohn Reza und Tochter Roya, der Berichterstatterin. Eines Tages beschließt Sima, Deutsche zu werden - und stürzt sich und die Familie damit in Recherche- und nahezu Depressionszyklen. Denn, was heißt es bloß, Deutsche zu werden?

Zur "deutschen Lebensart" widersprechen sich die Politiker/innen in ihren Erklärungen und den Medienberichten, sodass sich Mutter Sima immer verwirrter fragt, wie sie als Einbürgerungskandidatin vor dem Amt eine erfolgreiche Integration beweisen könnte. Zu Hilfe eilt der alleinstehende Nachbar Herbert Weigel, der Sima über klassische Musik und Tierschutz in die deutsche Kultur einführt und damit Abbas' "warmen und hellen Familienhort" gefährdet. Der Familienvater wendet sich daraufhin der islamischen Mystik zu. Dazwischen stehen die harmoniebedürftige Tochter Roya, welche versucht, den Familienfrieden wieder herzustellen, sowie Sohn Reza (alias Ryan), der bei Freund Kai angeblich Chemie lernt ...
Migration
Fahimeh Farsaie, Autorin und Journalistin iranischer Herkunft (geb. 1952 in Teheran), widmet sich in ihrem Roman "Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden" auf sehr unterhaltsame und oft subtile Weise Widersprüchen im menschlichen Leben: Sehnsüchte und Zwänge, Ansprüche und Wirklichkeit, Migration und Einbürgerung. Die Exiliranerin und nunmehrige deutsche Staatsbürgerin war wegen einer Erzählung unter dem Shah-Regime 18 Monate inhaftiert und wurde auch unter der Khomeini-Regierung verfolgt.
Den Themen Flucht, Exil und der schwierigen Situation von Migrant/innen in Deutschland (und anderen Ländern Europas) nähert Farsaie sich ironisch und humorvoll, denn "engagierte Literatur muss nicht unbedingt über der Leserschaft schweben und nicht verbittert klingen". Engagierte Literatur kann vielmehr leicht und schwer zugleich sein, Themen streifen und doch in den Mittelpunkt stellen, Leser/innen in eine persische Familie in Deutschland entführen und Geschlechtsstereotypen und Vorurteile in unserer Gesellschaft aufdecken. (dy)

Fahimeh Farsaie.
Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden.
Ulrike Helmer Verlag
2006, 230 Seiten, € 18,40
ISBN: 3-89741-200-4
Textauszug:
"Ich möchte aber, dass die Deutschen auch mit meiner Kultur vertraut werden", sagte meine Mutter. "Also ein Kulturaustausch von unten…!" Mit solchem Kulturaustausch war ich bestens vertraut. In der Schule waren Fatma und ich die Vertreterinnen der arabischen und islamischen Welt. Jedes Mal, wenn Rechtsradikale da und dort Häuser von "Ausländern" in Brand setzten … planten die Lehrer Aktionen, durch die sie den "ausländischen" Minderheiten ihre Unterstützung zeigen … wollten. Fatma hatte es am einfachsten. Sie brachte ihr aus dem Libanon importiertes Bauchtanzkleid aus Spitze mit, briet zwei bis drei Pfannen Falafel und trat auf der Bühne des Schulsaals zu spezieller Bauchtanzmusik auf. Fatma tanzte dann mit rollenden Augen und kreisendem Nabel zwei oder drei Lieder herunter, begleitet vom stürmischen Beifall und Jubel des begeisterten Publikums."
Klappentext:
"Was ist eigentlich deutsche Lebensart? Je mehr sich Sima um ihre Deutschwerdung bemüht, desto verwirrter ist sie. Doch dann lernt sie Herbert, den alleinstehenden Nachbar mit einem Faible für Friedhöfe und Brahms kennen. Aus Protest gegen Simas neue deutsche Lebensweise wendet sich ihr Gatte Abbas islamischer Mystik zu. Mittendrin versucht Tochter Roya den Familienfrieden wiederzustellen und fast allen entgeht, dass Sohn Reza bei seinem Freund Kai nicht nur Chemie lernt."
"Das Ziel der Integration ist, und das macht diesen Roman so überraschend, eben nicht die /überstrapazierte Disziplinarkultur der Hausmeister und Bürohengste, sondern genau jenes alternative Individualistentum, das zum Deutschtum eine leicht larmoyante Distanz einhält."
Frankfurter Allgemeine Zeitung